Einiges zur Geschichte der Pfarrkirche zu Niederwalluf
© Norbert Michel
Die in der Kirchgasse (damals Kettengasse) gelegene, erstmals
um 1314 erwähnte Adelheidskapelle wurde in den Jahren 1714 bis 1719 durch den damaligen
Oberschultheißen Peter Kirn (siehe Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte, Heft 1,
"Die Wallufer Schultheißenfamilie Kirn") renoviert und erheblich erweitert.
Einem zeitgenössischen Bericht, von Peter Kirn selbst verfasst, ist zu entnehmen, welche
Arbeiten er an der Adelheidskapelle vornehmen lies:
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In den Jahren 1655/56 sammelte der damalige Pfarrer, der
Dominikanerpater Ambrosius Fulgentius Geld, um Kirche und Altäre der Johanniskirche, nach
den Zerstörungen des 30 jährigen Krieges wieder instand zu setzen. Also zumindest
zu dieser Zeit wurde die Johanniskirche noch als Pfarrkirche genutzt.
Verschiedene Teile, wie Glocken, Taufstein, Kanzel, Statuen, und sicher auch die beiden Seitenaltäre
der neuen Pfarrkirche stammen aus der Johanniskirche.
Norbert Brühl ("Geschichte der kath. Kirchengemeinde zu Niederwalluf", in "Niederwalluf
770 - 1970", Gemeindevorstand Niederwalluf 1970) vermutet, dass auch der Hochaltar aus
der Johanniskirche stammt.
Der Hochaltar entspricht vom Stil her dem Barock, der in Europa etwa in der Zeit von 1600 -
1750 der vorherrschende Kunststil war und daher vom zeitlichen Ablauf noch in der Johanniskirche
gestanden haben könnte.
Wenn man sich aber den heutigen Hochaltar mit den beiden Seitenaltären in der Johanniskirche
vorstellt, bekommt man eine Ahnung, dass da mit den Größenverhältnissen einiges
nicht passt, kurz gesagt, mir erscheint der Hochaltar in der jetzigen Form zu groß für
die Johanniskirche.
Man hat wahrscheinlich Teile des alten Hochaltares in die Adelheidskapelle übertragen
und erst im Laufe der Umbauarbeiten um 1719 dem Altar die heutige Form gegeben. Diese These
wird gestärkt durch Feldtkellers Beschreibung des Hochaltares: "Auf Säulen verkröpfter
Segmentgiebel, darüber Aufsatz mit Kartusche. Das Retabel (Altaraufsatz) Ölmalerei
auf Leinwand mit Darstellung des Abendmahles. Auf dem Aufsatz sowie über der Leuchterbank
Engel. 1. Viertel 18. Jahrhundert."
1749 ist der Hochaltar in seinen wesentlichen Teilen dann auf jeden Fall bestand der neuen
Pfarrkirche. Dem 1699 beginnenden Niederwallufer Gerichtsprotokollbuch ist auf Seite 65 die
folgende Einragung entnommen:
"1749, d 23ten May nach mittags zwischen 4 und 5 uhr hatt das Gewitter in allhiesigen
Kirchen Thurm Eingeschlagen, durch den Chorboden herunter und ahn dem hohen Altar underschiedlichen
Schadten gethan, als oben auff dem hohen aussen Thurm den Stern herunter, viele Leyen (Schieferziegel)
ahn dem Thurm herabgeschlagen, so forth zum Thurm unden hinein und in dem Durch Zug Ein Spelter
(Synonym für Figur, Kerzenhalter oder ähnliches aus Metall) abgerissen, und durch
den gedibbelten (?) boden herunter ahn drey orthen den grosen Engels Kopf mitten am Altar in
drey stücken und der Mutter Gottes die Cron herunter geschlagen, und ahn underschiedlichen
orthen des Altars die Verguld= und Versilberung bis auff den grund hinweg genohmen, in dem
Tabernackel hatt mann dasselbe auch hin und wieder verspühret, die Antipendium (Altartuch)
rahme auseinander gerissen wie auch ein Verguldetes ledernes und schwartzes Antipendium sambt
dem auff dem Altar gelegene grünen gewichtsten tuch zerfetzet, und ahn underschiedlichen
orth die Maueren ladiret (beschädigt), bey den runden Fesntern im Chor viele Scheiben
zerschmettert und Versprengt nachgehendts hatt sich befunden, da ahn dem neuen uherbrett (Zifferblatt
der Uhr) nach Waldt zu die 10 = 11 = und 12te Ziffer ausgelöschet, und das Eiserne Zeiger
stängelgen, ahn welchem 2 eisene rädger herunter geschlagen, ahn welchen rädger
etliche Zähnger Verschmoltzen, bey allem deme aber ist dieses gott sey Danck ein Kalter
schlag gewesen, und kein Brand dabey entstanden, die Beschädigung vom Chor hatt mann des
andern Tags so gleich den Herren Peters Herrn ahngezeigt, welche sich auch Verobligiret, dasselbe
wiederumb repariren zu lassen. (Der Mainzer Petersstift war zum Unterhalt der Niederwallufer
Pfarrkirche verpflichtet)".
Der Hochaltar wurde wieder instand gesetzt und bei der Gelegenheit wurden wahrscheinlich auch,
wie bei später erfolgenden Renovierungsarbeiten Veränderungen vorgenommen.
Nachfolgend zwei Photos, die den Zustand des Hochaltares um 1940 (links) und ab ca. 1954 zeigen:
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Kopie der Seite 65 des Gerichtsprotokollbuches Niederwalluf. Die Abbildung zeigt den Bericht über den Blitzeinschlag in den Turm der Pfarrkirche zu Niederwalluf am 13. Mai 1749.
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