Das Heimatarchiv Walluf in der Presse
Rheingauecho - Donnerstag 3. November 2011
RheingauCenter Nachrichten
Spannende und informative Reise in die Vergangenheit
Bildvortrag von Norbert Michel "Niederwallufer Ansichten aus fünf Jahrhunderten"
fand starkes Interesse

Heimatarchivar Norbert Michel präsentierte seinen Bildvortrag zum Thema
"Niederwallufer Ansichten aus fünf Jahrhunderten".
Walluf. (mh) - Dieses starke Interesse am dem Bildvortrag von Norbert Michel "Niederwallufer
Ansichten aus fünf Jahrhunderten" hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können",
zeigte sich Ilse Breßler, Vorsitzende des Wallufer SPD-Ortsvereins, überrascht über
den enormen Ansturm des interessierten Publikums in das Niederwallufer Vereinshaus. Fast hätte
man wegen Überfüllung schließen müssen. Um alle am Vortrag teilhaben zu
lassen hieß es, " Tische raus und zusätzliche Stühle rein".
Heimatarchivar Norbert Michel wurde, wie er bei seiner Vorstellung sagte, 1952 in Walluf geboren.
Obwohl er lediglich knapp die Hälfte seines Lebens hier verbracht habe, nehme dieser Ort
den größten Teil seiner Freizeit in Anspruch. Zur Wallufer Ortsgeschichte sei er
über seine Familiengeschichte gekommen. Einzelne Familien ließen sich schon um 1550
in Walluf nachweisen.
Nachdem es bis vor einigen Jahren kaum Veröffentlichungen zur Wallufer Geschichte gegeben
habe, hätten sich die Quellen zur Ortsgeschichte nicht zuletzt durch das Internet vervielfacht.
So sei man heute beispielsweise in der Lage, alle Hausbesitzer seit mindestens 1773 bestimmen
zu können und man wisse auch, wer seit 1672 in Niederwalluf geboren wurde, geheiratet
habe oder verstorben ist.
Obwohl Niederwalluf, erstmals in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 770 erwähnt, die
urkundlich dokumentierte älteste Gemeinde des Rheingaus und laut einer Urkunde aus dem
Jahr 779 auch die älteste urkundlich erwähnte Weinbaugemeinde des Rheingaus ist,
übersprang Michel die ersten 800 Jahre und starte seinen Vortrag mit dem Jahr 1573, den
er mit teils mehr, teils weniger bekannten Bildern anschaulich verdeutlichte.
Wenn alte Ortsansichten von Niederwalluf, im Gegensatz zu Nachbargemeinden wie Eltville, Biebrich
oder Frauenstein, eher selten seien, dann liege das daran, dass dieser Ort nicht die Bedeutung
eines Verwaltungssitzes wie Eltville aber auch keine Sehenswürdigkeiten wie Frauenstein
mit einer Burg zu bieten hatte. Das wichtigste, das Niederwalluf anzubieten hatte, "waren
Bilder von der Fähre oder von der Befestigungsanlagen des Gebücks", die Michel
seinen Gästen im Verlaufe seines Vortrages präsentierte.
Um die politische und geographische Situation zu verdeutlichen, zeigte er zunächst einige
Ausschnitte aus alten Landkarten, wie beispielsweise des niederländischen Kartographen
Johann Jansonius, dessen bedeutendsten Werk der 1639 veröffentlichte Atlas "Theathre
du Monde" ist. In einem Ausschnitt aus der Karte "Nassovia Principaus" von Johann
Jacob Steller aus dem Jahr 1708 war erstmals auch der Verlauf des Rheingauer Gebücks gut
zu erkennen.
Bei den ersten "wirklichen" Ortsansichten aus den Jahren 1573 und 1575 handelt es
sich nach den Worten des Referenten "genau genommen" auch um Landkarten, die sich
beide im Hessischen Hauptstaatsarchiv befinden. Deutlicher erkennbare Details, wie Gassen oder
Gebäude, präsentierte Michel mit den Karten von Andreas Trautner von 1743 oder mit
der sogenannten "Ostein'sche Karte", die kurz vor 1770 entstanden ist. Die Niederwallufer
Gemarkung sei 1774 vom Geometer Christoph Hock, von 1770 bis 1810 Oberschultheiß zu Kiedrich,
erstellt worden.
Im Verlaufe seiner weiteren spannenden und informativen Reise in die Vergangenheit präsentierte
Michel eine gut sortierte Auswahl unter anderem von Bildern und Stichen, bei denen so mancher
Künstler seiner Fantasie in vielen Details freien Lauf gelassen hatte. Anders der Maler
und Kupferstecher Friedrich Wilhelm Delkeskamp, einer der Pioniere in der Erstellung von Reiseführern.
1825 sei sein erstes "Panorama des Rheins und seiner nächsten Umgebungen von Mainz
bis Cöln" erschienen, aus dem Michel eine Niederwallufer Ansicht präsentierte.
Der Vortrag endete mit naiven Bildern von Erfried Grob, der dem Rüdesheimer Künstlerkreis
angehört und für seine ländlichen Erzählbilder bekannt ist.
"Ich war zunächst etwas skeptisch und war dann völlig überrascht, über
das große Interesse an der Wallufer Geschichte", sagte Bürgermeister Manfred
Kohl begeistert über den Bildvortrag. Deshalb sei diese Veranstaltung aus seiner Sicht
als "eine gelungene Sache" zu verbuchen.
"Ich habe im Verlaufe des Vortrages viele Dokumente und Bilder gesehen, die ich bereits
kannte, die mir aber auch nicht bekannt waren", zeigte sich auch Annemarie Kersten zufrieden
über die Veranstaltung, "die meinen geschichtlichen Horizont durchaus bereichert
hat".
Dienstag, 01. November 2011
URL: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/walluf/11313344.htm
Wiesbadener Kurier
Walluf
Für die Kunst war Walluf zunächst eher uninteressant
01.11.2011 - WALLUF
Von Christina Schultz
HISTORISCHE ANSICHTEN Erste Zeichnungen sind von 1760
Mit solch einem Ansturm hatte niemand gerechnet. Zum Vortrag von Herbert Michel, Archivar des
Heimatarchivs, zum Thema Walluf - Historische Ansichten aus fünf Jahrhunderten
platzte der große Saal des Wallufer Vereinshauses aus allen Nähten. Nicht nur der
Referent zeigte sich angesichts der Massen überrascht, auch Ilse Breßler, Vorsitzende
des SPDOrtsvereins, freute sich als Veranstalter des Vortrages über die riesige Resonanz.
Norbert Michel, 1952 in Niederwalluf geboren und seit vielen Jahren wieder in seinem Heimatort
ansässig, ist als Archivar tief in der Geschichtsmaterie Niederwallufs verwurzelt und
verbringt viel Zeit mit der Sichtung und Auswertung historischen Materials über die Rheingau-Gemeinde.
Anhand von vielfältigem Karten- und Bildmaterial mit historischen Darstellungen, zeigte
Michel das Erscheinungsbild Wallufs und seiner Umgebung durch fünf Jahrhunderte auf. Er
beschäftigte sich ausführlich mit Ausschnitten von Landkarten, Plänen und Ortsansichten,
um danach in chronologischer Reihenfolge auf Bilder aus Skizzenbüchern und Gemälden
von Malern aus dem 18.Jahrhundert bis in unsere Zeit einzugehen. Erstmals erwähnt in einer
Schenkungsurkunde aus dem Jahre 770, ist Niederwalluf die urkundlich älteste Gemeinde
und gleichzeitig älteste Weinbaugemeinde des Rheingaus. Laut einer Urkunde von 779 vermachte
ein gewisser Racher dem Kloster Lorsch neben einigen Morgen Land auch einen Wald und zwei Weinberge.
Schiffer statt Winzer
Bis zum Jahre 1575 scheint sich kein Künstler ernsthaft mit Walluf beschäftigt zu
haben, denn es existieren keinerlei Bilder oder Gemälde aus dieser Zeit. Ab 1760 gibt
es die ersten Zeichnungen. Walluf besitzt halt keine Burg oder andere Sehenswürdigkeiten
wie Eltville oder Frauenstein und hatte nicht die Bedeutung eines Verwaltungssitzes zu bieten,
schloss Norbert Michel daraus, der dafür mit Landkarten von Kartografen und Kupferstechern
aus dem 16. und 17. Jahrhundert beeindruckte, auf denen die Fähre zwischen Walluf und
Budenheim und die mächtige Befestigungsanlage des Gebücks zu sehen war. Dass der
Haupterwerb der Niederwallufer nicht im Weinbau lag, sondern die Bewohner hauptsächlich
als Schiffer, Fischer und Fährleute lebten, zeigten die Ausschnitte aus den Rheinlaufkarten
der Gegend.
Der große Strom der Reisenden, die zu Wasser und zu Lande kamen, musste verköstigt
werden, so gab es viele Gastwirte unter den Wallufern. Auch der Endpunkt der Leinenreiterei,
die mit Seilen und Pferden gezogenen Schiffe, lag hier. Gemarkungspläne von Geometer Andreas
Trautner von 1774, Ortsansichten und Bildersammlungen der Kunstmaler Caspar Zehender und Ludwig
Daniel von der Heyd, sowie Radierungen aus dem Skizzenbuch von Jeremias Paul Schweyer, Maler
der Romantik des 19.Jahrhunderts und seltene Bilder von Kaspar Kögler (1911) und Willi
Holtmann (1945) vervollständigten die Exkursion durch die Vergangenheit Niederwallufs.
Mit einem Bild des Wiesbadener Künstlers Hans Bossung (2000) schloss der Vortrag von Norbert
Michel.
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Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt vom 07.03.2009
Walluf in alten Ansichten
07.03.2009 - RÜDESHEIM
(red). "Niederwalluf in historischen Darstellungen"
ist der Titel des Vortrags, den Norbert Michel, Mitarbeiter des Heimatarchivs Walluf, am Dienstag,
10. März, um 19.30 Uhr im Rathaussaal Rüdesheim hält. Dazu lädt die Gesellschaft
zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung ein.
Ausgehend von den ältesten Ansichten Niederwallufs auf den Rheinlaufkarten des 16. Jahrhunderts
bezieht er auch das Erscheinungsbild des ganzen Rheingaus in seine Betrachtungen mit ein. Ausführlich
beschäftigt er sich mit den Gemarkungsplänen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und
Skizzenbüchern von Rheinreisenden und den Werken von Malern der Romantik. Nach der Präsentation
weiterer Ortsansichten mit Angaben zur Biographie der Künstler, zeigt Michel eine Bildfolge
über das Gebück bei Niederwalluf.
Buchbesprechung aus Rheingau Forum 4/2008
Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte, Heft 4.
Hrsg.: Heimatarchiv der Gemeinde Walluf
Walluf 2008, 270Seiten / 15,OO
Bezugsquelle:
Rathaus Walluf
Mühlstraße 40
65396 Walluf
Buchbesprechung aus Rheingau Forum 4/2008
Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Heimatarchivs Walluf legen die fünf derzeitigen
Wallufer Heimatarchivare Elke Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag, Gerda Schmitt-Teßmann
und Hermann Stemmler das vierte Heft der Reihe Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte"
vor, mit seinen rund 30 Beiträgen und 270 Seiten weit umfangreicher als seine drei Vorgänger.
Norbert Michel befasst sich in einem langen Beitrag (S. 22-56) mit der Geschichte des Schliefshof
(Haselnussgasse 9), indem er die Besitzgeschichte des Hofes vom Mittelalter bis in die Gegenwart
verfolgt. Dabei geht er aus von dem zwischen 1130 und 1255 genannten Adelsgeschlecht von Waldaffa
und zeichnet den Besitzwechsel durch die Jahrhunderte nach über die Lindauer, die seit
1285 nachweisbar sind, die Grorod, deren Wappen mit der Jahreszahl 1542 im Haupthaus noch zu
sehen ist, die von Bettendorf, Köth von Wanscheid und von Hornstein sowie die seit 1801
auftretenden bürgerlichen Familien Schipfer, Gontard, Kessler und schließlich Wil-lett.
Dem erfahrenen Familienforscher gelingt es, mit der genealogischen Methode die erstaunliche
Größe des ursprünglichen Anwesens zu rekonstruieren und in einer Kartenskizze
auf der Grundlage einer Quelle von 1773 zu veranschaulichen, mit dem Ergebnis, dass der alte
Lindauer Hof die gesamte Fläche zwischen den Ortsgrenzen nach Eltville und Oberwalluf,
dem Wallufbach und der heutigen Bundesstraße 42 eingenommen hat. Noch heute handelt es
sich bis auf wenige Ausnahmen um einen zusammenhängenden Komplex. In einer persönlichen
Mitteilung für den Rezensenten hat Martin Willett, der leider 2006 unerwartet von uns
gegangen ist, schon die Vermutung geäußert, dass alles Land westlich der Walluf
dem später Köthischen Hof zugehörte". In ein Luftbild von Niederwalluf
hat er sein Anwesen eingezeichnet mit der Bemerkung Gesamtfläche Willett etwa 7
Hektar".
Damit dürften wir den bis ins Frühmittelalter zurückgehenden Fron- oder Herrenhof,
das ursprüngliche Herrschafts- und Verwaltungszentrum der Siedlung, vor uns haben, das
von jeher genau an dieser Stelle gelegen hat. Insofern muss die verbreitete Ansicht, dass Walluf
erst im Spätmittelalter nach Westen hinter den Wallufbach verlegt worden sei oder Walluf
ursprünglich aus zwei Siedlungen bestanden habe, wesentlich modifiziert werden: Niederwalluf
ist immer eine Siedlung gewesen, bestehend dem Fronhof (heute Schliefshof) und einer Anzahl
von Hofreiten abhängiger Bauern, die allerdings ursprünglich östlich der Walluf
bei der Johanniskirche saßen. Nur diese sind wohl im 14. Jh. hinter das Gebück auf
die Westseite der Walluf umgezogen.
Noch mindestens zwei weitere längere Beiträge sind wegen ihrer Thematik besonders
hervorzuheben. Gerda Schmitt-Teßmann behandelt den Pfälzischen Erbfolgekrieg in
der Widerspiegelung der Niederwallufer Gemeinderechnungen von 1683 bis 1699 (S. 83-138). Diese
Quellengattung gilt nicht nur unter Heimatforschern als eine spröde Materie, um die man
gerne einen Bogen macht, weil sie sich nicht so leicht erschließen wie dicke Prozessakten
und Hausbücher, aus denen man einfacher einen gut lesbaren Erzählstoff schöpfen
kann. Der Verfasserin gelingt es aber nach einer ausführlichen Einordnung der Ereignisse
in übergeordnete Zusammenhänge, das widerspenstige Verwaltungsmaterial zum Sprechen
zu bringen. Es bedarf allerdings einer gewissen Geduld aufseilen des geneigten Lesers, die
Listen der Gemeinde-Einnahmen und der Ausgaben für die Kriegskosten zu studieren. Dann
wird man aber belohnt durch eine überwältigende Fülle von Einzelangaben, die
ein authentisches Bild über die Zustände in einer ländlichen Gemeinde während
des Krieges vermitteln: Einem Husaren, der mit seinem kranken Pferd vom Schwarzwald gekommen,
Heu vom Rathaus und Bier und Brot gegeben." Dies ist ein kleiner Beleg für die Feststellung
der Verfasserin, dass das Verhältnis der Bevölkerung zu den Soldaten [der kaiserlichen
Armee] im allgemeinen als freundlich geschildert wird", während den Menschen seit
dem Einfall der Franzosen gleichzeitig durch Brand, Raub, Kontributionen und andere Feindseligkeiten
größter Schaden zugefügt wurde.
Heinrich Scharhag bereichert unsere Kenntnis über das Lindauer Gericht durch die Publikation
eines umfassenden Rechtsgutachtens von 1773, das er durch weitere Urkunden über einzelne
Streitfälle ergänzt hat. Der Schriftsatz behandelt das sog. Lindauische Weistum",
die kurfürstliche Mainzer Landeshoheit" sowie verschiedene Rechte bezüglich
der Waldungen, der Vorlese, des Waidgangs, der Schäferei und Fischerei und die Strafgerichtsbarkeit.
Um einen Eindruck von der thematischen Breite des Buches zu vermitteln, seien wenigstens einige
der kürzeren Beiträge angesprochen, ohne dass sie an dieser Stelle im einzelnen gewürdigt
werden können. Überaus lebendig stellt Frank-Michael Mella die Geschichte seiner
Familie dar, die mit dem 1719 aus Oberitalien eingewanderten Carlo Mella beginnt. Zugleich
ist es die Geschichte des Hauses Kirchgasse 13, das 132 Jahre im Familienbesitz gewesen ist.
Zwei weitere Häusergeschichten befassen sich mit dem Haus Hauptstraße 26 und dem
Haus Rheinstraße 6, an dessen Stelle sich vermutlich 1660 das ehemalige Rathaus befand.
Dr. Peter Jeschke stellt die Pontonbrücke der Flusspioniere vor, die während des
Zweiten Weltkrieges zwischen Walluf und Budenheim errichtet wurde. Er wertet dazu zwei Schmalfilme,
eine Diaserie und das Tagebuch des damals verantwortlichen Pionierhauptmanns aus. Pfarrer Josef
Schäfer, aus Walluf stammend und nach seiner Pensionierung in seinen Heimatort zurückgekehrt,
erinnert sich an seine Zeit mit der katholischen Jugend in Niederwalluf. Elke Detmann entwirft
ein ausführliches Porträt mit zahlreichen Zeichnungen und Plastiken des Künstler-Pfarrers"
Friedrich Mecke, des ersten Pfarrers der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde Walluf
von 1952-1976.150 Mappen mit Werken aus seinem Nachlass konnten 2006 vom Heimatarchiv übernommen
werden. Eine ganze Reihe kleiner, z. T. anekdotenhafter Beiträge, beispielsweise über
das Gemeindebad", die Ober- und Niederwallufer Orgeln und die Eisenbahn, runden
den Band ab.
Alles in allem eine solide Arbeit der Heimatarchivare, zuverlässig geschöpft und
dokumentiert aus Primärquellen, insbesondere den im Ortsarchiv versammelten Materialien,
die auf diese Weise lebendig werden und unser Wissen über die Gemeinde und ihre Bewohner
bereichern. Nicht zuletzt der ausgezeichnete Beitrag von Norbert Michel über den Schliefshof
bietet einen wertvollen Erkenntnisfortschritt, womit zugleich dokumentiert wird, wie Heimatforscher
im Rahmen einer an moderner, aktueller Fragestellung orientierten Siedlungsforschung mit einem
überzeugenden neuen Ergebnis aufwarten können.
Manfred Laufs
Wiesbadener Kurier vom 30.06.2008
Vom Jungfrauenverein bis zum künstlerisch tätigen
Pfarrer
Von Angelika Eder
Neue Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte erschienen
WALLUF Köpenickiade des Eisenbahngehilfen Lauter, Kriegskosten für das Pferd von
Leutnant Esterhazy, Bürgermeistersohn beim Pariser Nationalkonzil, Wasserspiele im Gemeindebad,
böse Buben an der Orgel... Die Themen der Wallufer Ortsgeschichte Band 4 sind wie gewohnt
breit gefächert, und mit ihnen stellen die Heimatarchivare einmal mehr unter Beweis, wie
unterhaltsam die Beschäftigung mit Ortshistorie sein kann. "Für Walluf gibt
es aber auch unheimlich viele interessante Themen", so Heinrich Scharhag, der den 270-seitigen
Band unter anderen mit Artikeln über die Geschichte des Lindauer Gerichts oder die "bedeutendste
Persönlichkeit des Ortes", Karl Kolborn (1744-1816), bereichert: Der Priester, zunächst
Erzieher der beiden Kinder des Grafen Franz Konrad von Stadion und späterer Dekan des
St. Stephanstiftes in Mainz, wurde an der Seite von Kurfürst Dalberg laut Scharhag "zu
einer der wichtigsten Persönlichkeiten in den Kämpfen um die Rettung bzw. Erneuerung
der katholischen Kirche nach der Säkularisierung in Deutschland." Vergnüglich
Wer sich für den Werdegang des Bürgermeistersohnes aus Walluf interessiert, der zwar
die Kirche, aber nicht den Papst für unfehlbar hielt und als einer der aufgeklärtesten
Geistlichen Deutschlands galt, wird hier fündig: Eine Rarität, denn über Kolborn
findet sich sonst nur wenig Literatur. Ausgesprochen vergnüglich liest sich der Artikel
über den "Marienverein", der nur Jungfrauen von unbescholtenem Lebenswandel
aufnahm und die jungen Mädchen zu sittlich geordnetem Leben und standesmäßiger
Tugend führen wollte, während der "Pfälzische Erbfolgekrieg" schon
schwerere Kost ist. Dank uralter Quellen aus dem Tresor des Archivs sind darin unter anderem
Aufstellungen aus der "Nider Wallufer gemein Rechnung vom Jahr 1692" nachzulesen,
etwa: "Den 9. Oktober isst Herr Obrist Leutnant Wangen hier mit einigen Offizieren und
Bediensteten zu Mittag 9 junge Hühner ohne den Wirts Zettel: 1 fl (Floriner Gulden)...
Den 26. Dez. Herrn Leutnant Rinck für eine halbe Woche Servis bezahlt: 1 fl.... Den Meister
wegen des verreckten Pferdes eines Husaren geholt, an Brückengeld gezahlt: 4 xr."
Seelsorger Mecke Zu den bedeutenden Persönlichkeiten Wallufs aus der jüngeren Vergangenheit,
die in Band 4 vorgestellt werden, zählt der Seelsorger und Künstler Friedrich Mecke,
von dem das Archiv dank der Spende seiner Schwester inzwischen zahllose Zeichnungen beherbergt.
Elke Detmann, die den ersten Pfarrer der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde noch
persönlich kannte, schildert Leben und Wirken des Mannes, der auf Druck des Kirchenvorstandes
sein Amt aufgeben musste: Man fürchtete, der Pfarrer vernachlässige seelsorgerische
Aufgaben zugunsten seiner künstlerischen Arbeiten, die, wie einige Beispiele in dem Buch
belegen, bemerkenswert sind. Neben den Archivaren Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag,
Gerda Schmitt-Teßmann und "Pensionär" Hermann Stemmler lieferten auch
Peter Jeschke, Frank-Michael Mella und Pfarrer Josef Schäfer interessante Beiträge.
Dazu zählen "Die Flusspioniere in Niederwalluf 1939 bis 1942", "Die Italiener
aus der Kettengass", ein Artikel, in dem der Autor Ergebnisse seiner Familienforschung
zusammenträgt, und "Jugend mit Mut: Versuch einer Deutung des neuen Aufbruchs in
St. Johannes in Niederwalluf." Die Lektüre zum Schmunzeln, Informieren und Aufbessern
der Geschichtskenntnisse, ist den Archivaren und der Gemeinde Walluf zu verdanken, die als
eine der wenigen solche Publikationen finanziert. Das Wallufer Geschichtsheft ist für
15 Euro im Archiv und bei der Wallufer Gemeindeverwaltung erhältlich.
Wiesbadener Tagblatt vom 28.06.2008
Vom Jungfrauenverein bis zum künstlerisch tätigen
Pfarrer
Die Themen in Heft vier zur Wallufer Ortsgeschichte sind breit gefächert
red. WALLUF Köpenickiade des Eisenbahngehilfen Lauter, Kriegskosten für das Pferd
von Leutnant Esterhazy, Bürgermeistersohn beim Pariser Nationalkonzil, Wasserspiele im
Gemeindebad, böse Buben an der Orgel...
Die Themen der Wallufer Ortsgeschichte Heft 4 sind wie gewohnt breit gefächert, und mit
ihnen stellen die Heimatarchivare einmal mehr unter Beweis, wie unterhaltsam die Beschäftigung
mit Ortshistorie sein kann.
"Für Walluf gibt es aber auch unheimlich viele interessante Themen", so Heinrich
Scharhag, der den 270-seitigen Band unter anderen mit Artikeln über die Geschichte des
Lindauer Gerichts oder die "bedeutendste Persönlichkeit des Ortes", Karl Kolborn
(1744-1816), bereichert: Der Priester, zunächst Erzieher der beiden Kinder des Grafen
Franz Konrad von Stadion und späterer Dekan des St. Stephanstiftes in Mainz, wurde an
der Seite von Kurfürst Dalberg laut Scharhag "zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten
in den Kämpfen um die Rettung beziehungsweise Erneuerung der katholischen Kirche nach
der Säkularisierung in Deutschland." Wer sich für den Werdegang des Bürgermeistersohnes
aus Walluf interessiert, der zwar die Kirche, aber nicht den Papst für unfehlbar hielt
und als einer der aufgeklärtesten Geistlichen Deutschlands galt, wird hier fündig:
Eine Rarität, denn über Kolborn findet sich sonst nur wenig Literatur.
Ausgesprochen vergnüglich liest sich der Artikel über den "Marienverein",
der nur Jungfrauen von unbescholtenem Lebenswandel aufnahm und die jungen Mädchen zu sittlich
geordnetem Leben und standesmäßiger Tugend führen wollte, während der
"Pfälzische Erbfolgekrieg" schon schwerere Kost ist.
Dank uralter Quellen aus dem Tresor des Archivs sind darin unter anderem Aufstellungen aus
der "Nider Wallufer gemein Rechnung vom Jahr 1692" nachzulesen, etwa: "Den 9.
Oktober isst Herr Obrist Leutnant Wangen hier mit einigen Offizieren und Bediensteten zu Mittag
9 junge Hühner ohne den Wirts Zettel: 1 fl (Floriner Gulden) Den 26. Dez. Herrn Leutnant
Rinck für eine halbe Woche Servis bezahlt: 1 fl.... Den Meister wegen des verreckten Pferdes
eines Husaren geholt, an Brückengeld gezahlt: 4 fl."
Zu den bedeutenden Persönlichkeiten Wallufs aus der jüngeren Vergangenheit, die in
Heft 4 vorgestellt werden, zählt der Seelsorger und Künstler Friedrich Mecke, von
dem das Archiv dank der Spende seiner Schwester inzwischen zahllose Zeichnungen beherbergt.
Elke Detmann, die den ersten Pfarrer der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde noch
persönlich kannte, schildert Leben und Wirken des Mannes, der auf Druck des Kirchenvorstandes
sein Amt aufgeben musste: Man fürchtete, der Pfarrer vernachlässige seelsorgerischen
Aufgaben zugunsten seiner künstlerischen Arbeiten, die, wie einige Beispiele in dem Buch
belegen, bemerkenswert sind. Neben den Archivaren Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag,
Gerda Schmitt-Teßmann und "Pensionär" Hermann Stemmler lieferten auch
Dr. Peter Jeschke, Frank-Michael Mella und Pfarrer Josef Schäfer interessante Beiträge.
Dazu zählen "Die Flusspioniere in Niederwalluf 1939 bis 1942", "Die Italiener
aus der Kettengass", ein Artikel, in dem der Autor Ergebnisse seiner Familienforschung
zusammenträgt, und "Jugend mit Mut: Versuch einer Deutung des neuen Aufbruchs in
St. Johannes in Niederwalluf." Lektüre zum Schmunzeln, Informieren und Aufbessern
der Geschichtskenntnisse, den Archivaren und der Gemeinde zu verdanken, die als eine der wenigen
solche Publikationen finanziert. Für 15 Euro im Archiv und bei der Gemeindeverwaltung
erhältlich.
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Wiesbadener Kurier vom 13.05.2008 Als Anton mit dem Proviantboot unterwegs war Von Anja Baumgart-Pietsch Die vier ehrenamtlichen Archivare Elke Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag und Gerda Schmitt-Tessmann hatten zum 25-jährigen Bestehen eine interessante Ausstellung zusammengestellt, die sich mit dem Gewerbetreiben in Walluf seit den 50er Jahren befasst. Und gleichzeitig präsentierten sie den vierten Band der "Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte", in dem auf 280 Seiten über 30 Aufsätze und viele Fotos zur Geschichte des Orts zusammengefasst sind. Kein Nagel, keine Bluse Die Arbeit an beiden Projekten habe sich gelohnt, sagte Bürgermeister Manfred Kohl bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Wallufer Bürger sind nun bis Ende Mai samstags, sonntags und mittwochs eingeladen, sich anzusehen, wie vielfältig das Gewerbe Wallufs einmal war. Leider sei nur noch wenig davon übrig geblieben, sagte Heinrich Scharhag. "Wenn heute von der Globalisierung und ihren Gefahren gesprochen wird - Wallufer Gewerbebetriebe haben sie längst erlebt." Das Angebot für Artikel des täglichen Bedarfs sei allerdings inzwischen drastisch ausgedünnt. Zwar haben sich im Gewerbegebiet drei Supermärkte angesiedelt, doch einen Nagel, eine Bluse, eine Dose Farbe oder das breitgefächerte Angebot der ehemals fast zehn Lebensmittelgeschäfte, das auf die jeweiligen Kundenwünsche ausgerichtet war, gibt es nicht mehr. "All das war einmal." Banküberfall von 1967 Was einmal war, kann im Vereinshaus an den Stellwänden besichtigt werden. Anekdoten wie die von Anton Schiel und seinem "Proviantboot", von der Zahnfabrik Wilde oder der Schokoladenfabrik Mauxion, der Waldaffa-Mineralwasserquelle, vom Wirt, dem "dicken Willi", Hedwig Conrads Textilhaus oder auch vom Banküberfall auf die Volksbank-Filiale anno 1967, bei dem der Täter immerhin 3000 Mark erbeutete, sind ausführlich dokumentiert und bebildert. Und anhand alter Postkarten bis hin zu aktuellen Bildern der Glaspaläste im Gewerbegebiet wird der Wandel sehr anschaulich deutlich gemacht. Etwas Besonderes bietet Norbert Michel an den beiden Mittwochnachmittagen, 14. und 21. Mai an: Er gibt zu "Stammbäumen" Wallufer Familien kompetent Auskunft. Wiesbadener Kurier vom 10.05.2008 25 Jahre Heimatarchiv Pressemitteilung der Gemeinde Walluf, 22.04.2008 |
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Pressemitteilung der Gemeinde Walluf, 10.04.2008 Wiesbadener Tagblattvom 19.02.2008 Schild erinnert an Lindauer Gericht |
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Wiesbadener Kurier vom 03.04.2008 Schottisches Wappen am Portal |
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Wiesbadener Tagblatt (Rheingauer Bürgerfreund) vom 16.12.2005 Norbert Michel vom Heimatarchiv Walluf berät
die Rüdesheimer |