Zu den Lasten des Dreißigjährigen Krieges im Rheingau -
mit einer Einwohnerliste von Mittelheim aus dem Jahre 1613
Die unten aufgeführte Einwohnerliste wurde dem Artikel "Mittelheim im Dreißigjährigen Krieg - Eine Untersuchung anhand zeitgenössischer Unterlagen aus dem Ortsarchiv" entnommen. Der Beitrag erschien in Heft 3 / 1963 der "Rheingauischen Heimatblätter", Autor war der Mittelheimer Lehrer Rudolf Rosensprung.
Es wäre schön, wenn es für alle Rheingauorte eine vergleichbare Darstellung geben würde. Rosensprung hat in seinem Artikel nachgewiesen, dass die Vorstellung, der Dreißigjährige Krieg habe grundsätzlich nur Tod und Verwüstung hinterlassen, eine verhängnissvolle Verallgemeinerung ist und für die Rheingauorte so nicht übernommen werden kann. Sicher hinterließ dieser schreckliche Krieg auch in unserem Landstrich seine Spuren. Beispiele dafür gibt es. So ist einem Schreiben der Witwe Dorothea Catharina von Grorod, geborene von Lindau, an den Mainzer Erzbischof folgendes zu entnehmen:
Niederwalluf am 29. Dezember 1636 "von ihrer Mühle zu Niederwalluf hat sie jährlich 10 Malter Korn als Pacht zu liefern. Da die Bürgerschaft und Gemeinde hier also verstorben und gering geworden, auch dergestalt verarmt, dass während einer wöchentlich 1 Malter mahlen ließ, er jetzt in 4 Wochen nicht ein Dirnsel zur Mühle bringen kann, so dass die Mühle die ganze Zeit stillgestanden hat. Auch sind die Früchte auf dem Feld durch das Kriegsvolk (zu der Zeit als Dorotheas Catharina dies schrieb, tobte der dreißigjährige Krieg, 1618 - 1648) nicht allein hier, sondern auch an anderen orten gänzlich abgeschnitten und die die Pferde ausgespannt, so dass die Felder allenthalben wüst liegen bleiben". Sie bittet daher um Preisnachlass. Doch wird ihr nur Zahlungserleichterung gewährt. Die Behauptung, dass "Bürgerschaft und Gemeinde hier also verstorben und gering geworden, auch dergestalt verarmt" ist wohl bewußt etwas übertrieben dargestellt, schließlich wollte man ja mit dem Schreiben was erreichen. Genaue Untersuchungen liegen für Niederwalluf noch nicht vor, aber erste Ergebnisse lassen den Rückschluss zu, dass es ähnlich wie in Mittelheim wohl einen Bevölkerungsrückgang gab, der aber sicher nicht so gravierend war, wie Dorothea Catharina von Grorod darstellt.
Was sicher voll und ganz der Wahrheit entspricht, ist die Aussage der Witwe Grorod, dass die Bevölkerung ziemlich verarmt ist.
Der Niederwallufer Oberschultheiß Peter Kirn hinterließ eine Schrift, in welcher er eine Aufstellung vornahm, was er zu seinen Amtszeiten alles zum Wohle der Gemeinde Niederwalluf gemacht hat. Dem Schriftstück ist zu entnehmen, dasss Peter Kirn am 28. März 1686, immerhin 38 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, Gemeindeschulden in Höhe von 246 Gulden vorfand. Neben dieser Summe vermerkt Kirn den Zusatz: "Diese Verpflichtung stammte noch aus dem schwedischen (Dreißigjährigen) Krieg".
Den Bürgern wurde durch die häufigen Einquartierungen, sowie Abgaben aller Art wie Landrettungssteuern, Schatzungen, Kontributionen, Ranzionen und was es sonst noch alles gab, der letzte Kreuzer aus der Tasche gezogen. Glück im Unglück war, dass auswärtige Finanziers bereit waren, Darlehen auf künftige Weinernten zu gewähren.
Ob die häufigen Einquartierungen während des
Dreißigjährigen Krieges in Niederwalluf in Zusammenhang mit den hier vorhandenen
Festungsanlagen stehen, kann ich nicht zu beurteilen. Um einen Eindruck von der Härte
des Krieges und den damit verbundenen Problemen und Kosten welche auf die Niederwallufer Bevölkerung
zukamen zu Vermitteln, im Anschluß eine Abschrift aus einem Protokollbuch der Gemeinde
Niederwalluf:
"Verzeugnuß der Cösten so von eroberung des Ländtleins Ringaws von
den Schweden ad 1631 bis uff tato in der Gemeindt ergangen.
Dannach der Schwedt 7 gantzer tag alhier losirt, hatt sambtlicher ausmarcker welche das ihrige
vor den Einfal hinweg bracht ihre hauser durch die Gemeindt müsse gespeist werden und
großen Schaden durch ihre ledige Häuser leiden müssen deretwegen sie der gemeindt
einer getzlichkeit zu thun schultig sein sehet zu erkandtnuß.
Nach deme der Schwedt daß Landt quitirt ist der Heß hinein kommen und eingenommen
haben 7 Wochen im landt logirt von diesen wir das blohe Regiment gehabt, der Obristen Uhsten
haben ihre Häuser abermalen von den Nachbauen müssen gespeist werden.
Nachfolgents Graff Johann von Dillenburg die ostern alhier angelangt 11 tag logirt haben abermale
ihr ledige heuser von uns müssen gespeist werden.
Demnach seindt zwo Compagni Traconer von Frantzosen angelangt haben 6 Tag quartir gehabt haben
ihre ledige Hauser abermalen von unsere nachbarn müssen gespeist werden und daneben uff
die 90 Reichthaler aufgebrecht.
Von obristen Schauelischg haben den ganze Sommer erkranckte Solthaten gelegen hat die Gemeindt
ihr Häuser abermalen in allem Schadtlos halten und vertretten müssen.
Der Hauptman Steinbrenner hat her nache alhier logirt ist Ungefehr uffgangen daran ihr quota
zu zalehn.
Zu Zwey underschiedlich mahlen zwo Compagni Frantzosen alhier logirt. Übernacht.
Nach der Nördlinger Schlacht (1634) hat der Obrist Hoffkirch mit 2000 pferten 3
gantzer tag alhier und Eltuil logirt hat die gantze Nachbarschafft ihrer ledigen Häuser
wegen viel leyden und herausen geben müssen.
Nachmahls ist ein Schwadron Reuter von 4 Compagni alhier angelangt übernacht losirt ist
ein großes uffgangen und die Nachbauren viel der Ausmärcker halber leiden müssen.
Capitain Krauthoffen ist mit 2 Compagni alhier angelangt uff Cappes Kirb 14 tag logirt, ist
ein sehr großes Uffgang das schwerlich zu taxiren, und der ausmarcker ledige Häuser
der Nachbarschafft ein großen Schaden verursachett.
Ein Regiments qurtirmeister noch mit 15 habente Solthaten mit weib und Kinder under Obristen
lilly sparen gehörig logirt bey uns 4 monath.
Naher Meintz ahn brodt zu Commis müssen lieffern zu underschiedtlich mahlen 6 Malter hat
danach von der gemeindt das Malter zu 5 Gulden müssen uffgeborgt werden.
Her Ritmeister Grimmad Schultig Eltuil undt Walluff in 12 wochen lauth beygelegter ab rechnung
266 Reichstaler 15 batz.
Ein leutenandt so ein Erbacher Closter losirt hat übernacht mit 300 Man alhier losirt
viel gelt aufgebrest und die leuth übel kotirt.
Unsers gnedigster Her Verehrwein und an Costen so uffgangen alß Her Vitzthumb praehentirt
worden (1638 ?, in diesem Jahr wurde Friedrich von Greiffenclau zum neuen Vitzedom ernannt)
ist ahn uffgangen.
Alß H. Obrist Metternich zu Eltuil gelegen hat Obrist leutenant Westerholt mit einem
ganzen Regiment 8 tag lang alhier logirt."
Die Einwohner von Mittelheim im Jahre 1613 (nach Rudolf Rosensprung)
|
Name |
Haus-Nr. |
Straße |
Anmerkung |
|
Back- u. Schrothaus |
26 |
Die Straß/Backhausgaß |
|
|
Birckenstock, Chr. |
3 |
Obergaß |
|
|
Bücher, J. |
7 |
Obergaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Cammer N. u. M. |
28 |
Die Straß |
|
|
Dieterich, J. |
24 |
Backhausgaß |
|
|
Dörstoff, Th. |
60 |
Die Straß |
|
|
Dörstroff, Th. |
18 |
Backhausgaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Drusinger, A. |
47 |
Küntz- oder Klostergaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Eisenbeiß, Fr. |
54 |
Die Straß |
|
|
Eisenbeiß, J. |
13 |
Die Straß/Backhausgaß |
|
|
Erbach, H. |
68 |
Die Straß |
|
|
Erbeß, H. |
8 |
Obergaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Friels, H. Witwe |
40 |
Kirchgaß |
|
|
Fritz, C. |
42 |
Die Straß/Kirchgaß |
|
|
Fritz, C. |
41 |
Kirchgaß |
|
|
Gölber, Th. |
48 |
Küntz- oder Klostergaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Granberger, H.W. |
50 |
Küntz- oder Klostergaß |
|
|
Hain, S. |
37 |
Kirchgaß |
|
|
Hermani, Joh. |
17 |
Backhausgaß |
|
|
Hertzig, J. |
49 |
Küntz- oder Klostergaß |
|
|
Holzflößer, Chr. |
5 |
Obergaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Holzhausen, Joh. |
33 |
Kirchgaß |
|
|
Huett, H. |
6 |
Obergaß |
|
|
Kießel, N. |
29 |
Die Straß/Kirchgaß |
|
|
Kleeß, Ph. |
64 |
Die Straß |
|
|
Klein, H. |
4 |
Obergaß |
|
|
Klotter, Th. |
43 |
Die Straß/Küntz- oder Klostergaß |
|
|
Klunckhardt, P. |
53 |
Die Straß |
|
|
Klunckhardt, P. |
9 |
Obergaß |
|
|
Klunckhardt, P. |
2 |
Obergaß |
|
|
Koch, H. |
20 |
Backhausgaß/Rheinstraß |
|
|
Kölsch, J. |
14 |
Backhausgaß |
|
|
Kölsch, Joh. |
59 |
Die Straß |
|
|
Körperger, H. |
10 |
Die Straß/Obergaß |
|
|
Körperger, Hans |
39 |
Kirchgaß |
|
|
Kronberg, Junker von |
63 |
Die Straß |
|
|
Lamb, Joh. |
57 |
Die Straß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Lamb, Joh. |
51 |
Robelsgaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Lehnstein, H. Witwe |
31 |
Kirchgaß |
|
|
Lehnstein, H. Witwe |
32 |
Kirchgaß |
|
|
Leip, J. |
30 |
Kirchgaß |
|
|
Mittelheim, H.W. |
16 |
Backhausgaß |
|
|
Mühlheim, Junker von |
35 |
Rheinstraß |
|
|
Olm, J. |
44 |
Küntz- oder Klostergaß |
|
|
Öttning, W. |
11 |
Die Straß |
|
|
Panrodt, D. |
65 |
Die Straß |
|
|
Panrodt, W. |
1 |
Die Straß/Obergaß |
|
|
Pfarrhaus |
36 |
Kirchgaß |
|
|
Rapp, N. |
58 |
Die Straß |
|
|
Rathaus |
62 |
Die Straß/Backhausweg |
|
|
Rempff, B. |
46 |
Küntz- oder Klostergaß |
|
|
Rodenkirch, Junker von |
52 |
Die Straß, zwischen Robbelsgaß u. Küntz- oder Klosterweg |
|
|
Salwächter, Cl. |
12 |
Die Straß |
|
|
Schadeck, N. |
45 |
Küntz- oder Klostergaß |
|
|
Schmiede |
25 |
Backhausgaß |
|
|
Schöffer, M. |
15 |
Backhausgaß |
|
|
Schönborn, Junker von |
67 |
Die Straß/Stiegelweg |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Schönborn, Junker von |
27 |
Die Straß |
|
|
Schönborn, Junker von |
21 |
Backhausgaß |
|
|
Schönborn, Junker von |
22 |
Backhausgaß |
|
|
Schumacher, Ph. |
19 |
Backhausgaß |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Seydel, H.M. |
23 |
Backhausgaß |
|
|
Sötern, Alex. von |
55 |
Die Straß/Kuhweg |
1659 nicht mehr vorhanden |
|
Sötern, Alex. von |
56 |
Die Straß/Kuhweg |
|
|
Spererin, A. |
34 |
Kirchgaß/Rheinstraß |
|
|
Wagner, H. |
66 |
Die Straß/Stiegelweg |
|
|
Wahler, M. |
38 |
Kirchgaß |
|
|
Will, Joh. |
61 |
Die Straß/Backhausweg |
|
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